Warum wenig KI-Traffic kein Argument gegen GEO ist
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KI bringt weniger Klicks als die organische Suche, das ist klar. Es bedeutet jedoch keineswegs, deshalb nicht in die KI-Sichtbarkeit zu investieren - im Gegenteil.
Das Wichtigste in Kürze
- KI-Plattformen erzeugen im Vergleich zur organischen Suche bisher nur einen sehr geringen Anteil des Website-Traffics.
- Herkömmliches Klick-Tracking verfälscht die tatsächliche Wirkung, weil KI-Empfehlungen häufig erst verzögert zu Suchanfragen und Conversions führen.
- Über KI-Systeme vermittelte Besucher konvertieren oftmals deutlich besser, weil wesentliche Teile der Kaufentscheidung bereits im Chat stattfinden.
- KI-Assistenten prägen die Markenwahrnehmung vor dem ersten Website-Besuch. Fehlende oder fehlerhafte Nennungen können somit direkten Schaden anrichten.
- Maßnahmen für KI-Sichtbarkeit stärken auch die klassische Suchmaschinenoptimierung und sollten deshalb als fester Teil der organischen Gesamtstrategie verstanden werden.
Gerade einmal 0,62 Prozent der organischen Google Suche: So viele Sitzungen schickte ChatGPT an 100 Websites. Das hat Marie Haynes aus zwölf Monaten Google Analytics Daten ermittelt. Ihr Urteil: GEO sei nur eine Ablenkung.
Zwei weitere Auswertungen aus dem Oktober 2026 kommen zu ähnlichen Größenordnungen, der AI Referral Traffic Benchmark von The SEO Works und eine Analyse von Kevin Indig im Growth Memo.
Dass KI-Plattformen wie ChatGPT, aber auch die KI-Suche von Google, deutlich weniger Klicks für Websites bringen als die organische Suche, ist kein Geheimnis und in verschiedenen Studien wie die von Ahrefs aus dem Jahr 2025 gezeigt worden.
Aber kann man einen Kanal, der ja im Grunde dazu gedacht ist, Klicks überflüssig zu machen, danach bewerten, wie viele Klicks er bringt?
Drei neue Beiträge von Marie Haynes, Kevin Indig und The SEO Works beschäftigen sich mit der Frage, ob sich GEO angesichts des geringen Traffics, der nachweisbar von KI-Plattformen kommt, überhaupt lohnt.
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Is GEO a distraction?
Marie Haynes hat Daten aus Google Analytics von 100 Websites unterschiedlicher Größe ausgewertet. Zusammengenommen handelt es sich um mehr als 145 Millionen Sitzungen in zwölf Monaten. ChatGPT kam auf 0,62 Prozent des Volumens der organischen Google Suche, alle LLMs zusammen auf 0,73 Prozent. 55 der Websites erfassten Conversions. Dort konvertierten ChatGPT-Besucher mit 13,8 Prozent deutlich besser als Besucher aus der organischen Google-Suche mit nur etwa drei Prozent. Trotzdem stammten 96,5 Prozent der Conversions in den untersuchten Kanälen von Google: 27mal mehr als von allen LLMs zusammen.
Das exponentielle Wachstum der über ChatGPT vermittelten Websitebesuche endete laut Haynes im August 2025 mit dem Start von GPT-5. Seitdem schicke ChatGPT immer weniger Besucher. Sie rät, Conversions sauber zu erfassen, die Zufriedenheit der Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen und sich auf die agentische Suche vorzubereiten, etwa mit Googles Universal Cart, dem Universal Commerce Protocol (UCP), WebMCP und KI-Brillen.
39mal mehr organischer Traffic als per KI
The SEO Works aus Großbritannien hat den Traffic von 95 Websites von September 2025 bis August 2026 untersucht. Die organische Suche brachte 2,83 Millionen Sitzungen, KI-Assistenten nur 72.095 - ein Unterschied um Faktor 39. Auf 100 organische Conversions kamen 3,2 aus KI-Verweisen. KI-Besucher konvertierten mit 7,18 Prozent rund ein Fünftel besser als organische mit 6,08 Prozent. Bei Anbietern von B2B-Produkten erreichten sie aber nur das 0,62-Fache, und auf 23 von 63 Websites schnitt KI-Traffic schlechter ab.
Ab Mai 2026, als ChatGPT anfing, Markennamen direkt im Antworttext zu verlinken, stieg der KI-Anteil von durchschnittlich 2,29 auf 3,04 Prozent des organischen Traffics; im August waren es 3,86 Prozent. Websites mit wachsendem KI-Traffic wuchsen auch organisch. Mehr Direktzugriffe durch KI-Sichtbarkeit, den sogenannten Billboard-Effekt, fand die Agentur dagegen nicht. Ihre Rechnung: Fünf Prozent mehr organischer Traffic bringen mehr Conversions als eine Verdopplung des KI-Traffics.
Kein Hinweis auf versteckten KI-Traffic
Kevin Indig suchte in zwölf GA4-Properties nach KI-Besuchen, die als Direct-Traffic verbucht werden. Der Anstieg im Direct-Kanal ging demnach vor allem auf Bots zurück: Eine Website verbuchte 409.000 direkte Sitzungen, davon 198 mit Interaktion. Von Januar bis September wuchs der gesamte Direct-Traffic um 140,9 Prozent, der Anteil mit Interaktion blieb nahezu unverändert. In 632 Tests mit vier Marken stieß er auf Korrelationen bis 0,72 zwischen KI-Sichtbarkeit und späterem Direct-Traffic. Einer Gegenprobe mit zeitlich verschobenen Daten hielten sie jedoch nicht stand.
Indig betont, dass ein Effekt trotzdem existieren könne, er lasse sich mit diesen Daten nur nicht isolieren. Als Beispiel nennt er das US-Unternehmen Ramp, das 30 bis 40 Prozent seines Direct-Traffics den Antwortmaschinen zuordnete. Bestätigt hat Ramp das über Engagement-Muster und die Angaben der Kunden selbst.
Das Attributionsproblem
Alle drei Analysen bewerten KI anhand von Sitzungen, die in GA4 einen KI-Referrer tragen. Erfasst wird damit nur der letzte Klick aus einer KI-Oberfläche. The SEO Works räumt selbst ein, dass Besuche über In-App-Browser, ohne Referrer oder über eine spätere Markensuche so nicht gezählt werden. Die Agentur versteht ihre Zahlen deshalb als Untergrenze.
Vor allem die Markensuche verzerrt den Vergleich. Wer in ChatGPT eine Empfehlung liest und danach bei Google den Markennamen eingibt, erscheint in GA4 als organischer Google-Besucher. Indig verweist auf Daten aus Similarweb: Nutzer, denen eine KI eine Marke empfohlen hatte, besuchten deren Website in den folgenden sieben Tagen häufiger. 55,9 Prozent dieser Besuche kamen über die Suche, bei anderen Besuchen waren es nur etwas mehr als 40 Prozent. Ein Teil dessen, was Haynes Google gutschreibt, hat also möglicherweise in ChatGPT begonnen. Ihr Vergleich von 0,73 gegen 99,27 Prozent stellt zwei Kanäle gegenüber, die sich sehr wohl überschneiden.
Hinzu kommen Googles eigene KI-Oberflächen. Klicks aus den AI Overviews und dem AI Mode laufen in GA4 als gewöhnliche organische Sitzungen, The SEO Works konnte sie deshalb gar nicht einbeziehen. Wer in den AI Overviews als Quelle auftaucht, profitiert von KI-Sichtbarkeit, auch wenn GA4 diesen Besuch als Google Organic verbucht.
Das Ergebnis von Kevin Indig zeigt vor allem die Grenzen der Methode. Bei 17 bzw. 35 verwertbaren Wochenwerten und einem Direct-Kanal voller Bots ist ein fehlender Nachweis kein Beleg für eine fehlende Wirkung, und Indig behauptet das auch nicht. Ramp konnte den KI-Anteil erst mit Kundenbefragungen beziffern. Der Billboard-Test von The SEO Works prüft wiederum nur den Direct-Kanal. Den näher liegenden Weg über die Markensuche deckt er nicht ab.
Was KI-Sichtbarkeit ohne Klick bewirkt
Ein Chatbot beantwortet viele Fragen so, dass man nicht klicken muss, um die benötigten Informationen zu erhalten. Den Erfolg in diesem Kanal an Klicks zu messen, greift deshalb zu kurz. Indig weist darauf hin, dass klickbasierte Attribution vor allem deshalb dominiert, weil die Tools Klicks gut erfassen. Schon lange vor dem Entstehen des Webs haben Werbetreibende Reichweite und Markenwirkung gemessen. Mit KI-Antworten wird diese Sicht wieder wichtiger.
Der Wert einer Nennung entsteht oft vor dem ersten Website-Besuch. Wer ChatGPT nach der besten Buchhaltungssoftware für kleine Betriebe fragt, bekommt eine kurze Liste. Wer auf dieser Liste fehlt, wird später auch nicht gegoogelt. Das müsste in den Auswertungen berücksichtigt werden.
Ähnlich verhält es sich mit der Darstellung der eigenen Marke. Nennt ein Sprachmodell veraltete Preise oder falsche Produktmerkmale oder empfiehlt es bei Vergleichsfragen regelmäßig die Konkurrenz, entsteht ein Schaden, der von den hier behandelten Auswertungen ebenfalls nicht berücksichtigt wird.
Die höheren Conversion-Raten von KI-Besuchern sind dagegen schlüssig. Bei Haynes konvertierten ChatGPT-Besucher 4,5-mal so gut wie Google-Besucher, bei The SEO Works immerhin 1,18-mal so gut. Das spricht dafür, dass ein Teil der Kaufentscheidung schon in der KI-Oberfläche fällt. Die B2B-Produktanbieter mit nur 0,62-facher Conversion-Rate zeigen allerdings, dass das nicht überall gilt. Jedes Unternehmen sollte deshalb die eigenen Daten nach Segmenten auswerten.

Überschneidungen in der Messung von SEO und GEO
GEO ist mehr als das Tracking und das Beeinflussen von Nennungen in ChatGPT und anderen LLMs. Ein Dashboard mit einer Citation-Quote alleine bringt noch keinen Umsatz. Saubere Produktdaten im Merchant Center dagegen, ein UCP-Profil für Shopping-Agenten und WebMCP-Schnittstellen sollen alle dafür sorgen, dass KI-Systeme ein Angebot finden, verstehen und verwenden.
Die Zahlen von The SEO Works stützen diese Sicht. Websites mit wachsendem KI-Traffic legten auch organisch zu. Die Grundlage: ein klar beschriebenes Unternehmen, einheitliche Informationen und echte Autorität. In welche Richtung der Zusammenhang wirkt. Für die Budgetfrage heißt das, dass ein großer Teil der Arbeit für KI-Sichtbarkeit auch auf SEO einzahlt.
Fazit: KI-Sichtbarkeit gehört dazu
Google bleibt für fast alle Websites der wichtigste Kanal, und KI-Verweise bringen bisher direkt nur wenig Umsatz. Wer daraus aber folgert, KI-Sichtbarkeit sei die Investition nicht wert, legt den falschen Maßstab an. Ein großer Teil der Wirkung landet in der Markensuche, in Googles eigenen KI-Antworten oder in Kaufentscheidungen ganz ohne Klick.
Sinnvoll ist deshalb, KI-Sichtbarkeit als Teil der organischen Strategie zu behandeln: Unternehmensdaten, Fakten und Produktinformationen überall einheitlich pflegen, die wichtigsten Fragen der Zielgruppe in den KI-Systemen beobachten und im Kontakt- oder Bestellformular nach der Quelle fragen.

Von Christian Kunz
SEO-Experte.
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